MITGLIEDER DES ATTISCHEN SEEBUNDES SIND ZWEI IKARIOTISCHE STAEDTE
 

Ikaria hat waehrend der ueberwiegenden Dauer der klassischen Periode ihren Zwei-Staedte-Status beibehalten und kam sogar zu dem Punkt, an dem die zwei Staedte der Insel - Oinoi und Therma - zusammen eine Summe von fast zwei Talenten in die Kasse des Seebundes zahlen konnten. Unueblich fuer jene Zeit war die voellig unabhaengige, direkte Beziehung beider Staedte mit Athen, was darauf schliessen laesst, dass fuer Ikaria nicht die sonst angewande Praxis der Gesamtbesteuerung Geltung fand, wie z.B. auf Kea und Amorgos. Waehrend ihrer gesamten Geschichte entwickelten sich Oinoi und Therma, die von den Ikaria in der Laenge durchziehenden Bergruecken geographisch getrennt waren, voellig unabhaengig voneinander. Wie es scheint gab es zu keinem Zeitpunkt eine Zusammenarbeit oder ein Vertreten gemeinsamer Interessen der Insel nach aussen.
 
 
A. INOI (OINOI)
 
-Mit dem verbreiteten Ortsnamen - Oinoi - , der mit der religioesen Tradition des Dionysos verbunden ist, war die wichtigste Stadt Ikarias im 5.Jh. v.Chr. bekannt, zu einer Zeit, in der ihre Einwohner einen respektablen Beitrag in die Kasse des Attischen Seebundes einzahlten. Oinoi befand sich auf der Nordseite Ikarias, an der Stelle wo man heute das Dorf Kampos findet, eine Gegend, die noch heute als die fruchtbarste der Insel gilt. Obwohl damals leuchtendes Mitglied des Seebundes, sind heute von Oinoi praktisch keine Ueberreste mehr sichtbar. Nur eine von den Einheimischen als Palast (Palati) bezeichnete Ruine aus roemischer Zeit, die am Berghang der Kirche der Heiligen (Agias) Irini thront, ist zu finden. Der Bau war errichtet aus Marmor und Sandstein und mit Boden-Mosaiken geschmueckt. Er befand sich im damaligen Zentrum der Stadt. Die Akropolis von Oinoi wurde um das Zentrum des Huegel herum errichtet und vermutlich gab es an dessen Suedflanke einen Dionysos Tempel, an der Stelle wo heute die byzantinische Kirche der Heiligen Irini steht. Wie an den meissten Tempelstaetten Griechenlands, ist vermutlich auch hier von den Christen der Tempel zerstoert und unter Verwendung seiner Baustoffe, eine Kirche errichtet worden. Es gibt kaum Funde aus dem direkten Stadtbereich. Trostpflaster sind jedoch die 252 archaischen Gegenstaende, die in der Umgebung gefunden wurden und in der archaeologischen Sammlung von Kampos aufbewahrt werden.
 
DER HAFEN VON OINOI
Heute gibt es keine Anzeichen mehr von der weiten und tiefen Bucht an der Flussmuendung des Stroms Voutsides, in die damals die Schiffe bis in den Kampus hinein, vermutlich sogar bis an die Bergauslaeufer heran fahren konnten. Im laufe der Jahrhunderte hat sich die natuerliche Struktur des Gebiets durch Bodenerrosion und Aufschuettungen stark veraendert und ein Befahren des Flusses mit Booten oder gar Schiffen unmoeglich gemacht, bis schliesslich die Natur fuer eine vollstaendige Durchtrennung der Fluss-Meerverbindung gesorgt hat. Heute ist an der Flussmuendung ein grosser Sandstrand anzutreffen, der nur in den Wintermonaten an einer Stelle vom Flusswasser durchbrochen wird. Der einzige erhaltene und nach wie vor genutzte Hafen der Gegend befindet sich in Eudilos, etwa 1Km von Kampos entfernt. 

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