Ikaria hat in der Geschichte nie eine ihrer Groesse
entsprechende Rolle gespielt. Die gebirgige Morphologie, der Mangel an
natuerlichen Seen und das haeufig sehr stuermische ikariotische Meer, waren die
Hauptgruende der Isolierung von ihrem geographischen Umfeld. Trotzdem gab es
auch einige Perioden, die Ikaria in das Zentrum historischer Schlagzeilen
gelangen liess.
-DIE BESIEDLUNG IKARIAS
begann zu Anfang des Kupferzeitalters, als die Insel zum ersten mal in
ihrer Geschichte zum ’Zwischenstop’ vor allem fuer Handelsreisende wurde. Der
Handel zwischen den Laendern Kleinasiens und Sued-Ost-Europas wurde nach und
nach ausgebaut, und schliesslich avancierte die Meeresrute
Samos-Ikaria-Mykonos-Syros-Delos-Naxos-Paros zur ’Haupttransitstrecke’ zwischen
dem Osten und dem Westen.
-Nach ANAXIMENI dem
Lampsakinos wurde Ikaria zwischen dem 8. und 7.Jh v.Chr. von Militos aus
besiedelt. Die erste Siedlung der Militier wurde vermutlich an Ikarias
’gezaehmter’ Suedkueste in der gegend von Therma (Therme) gegruendet, gegenueber
von Militos an der kleinasiatischen Kueste.Die zweite Siedlung wurde in Oinoi
(Inoi) an der Nordkueste Ikarias gegruendet, die in den July- und August-Monaten
von den Seefahrern, aufgrund ihrer stuermischen Meltemi-Winde, gemieden
wurde.
-Im 5.Jh. v.Chr. machten die Perser -
anders als die Lydier - nicht an der kleinasiatischen Kueste halt, sondern
stiessen bis weit in die AEgaeis vor und eroberten viele griechische Inseln,
einschliesslich Ikaria bis hin zu den noerdlichen Sporaden. Diese sollten als
Stuetzpunkte fuer die Eroberung des griechischen Festlandes dienen. Als jedoch
499 v.Chr. die Perser, durch das ikariotische Meer kommend, die Kykladeninsel
Naxos erobern wollten, auf Widerstand der Bevoelkerung stiessen und von dieser
schliesslich zurueckgeschlagen wurden, verbreitete sich der erfolgreiche
Widerstand wie ein Lauffeuer, ermutigte die Griechen und fuehrte schliesslich zu
den Aufstaenden in vielen ionischen Staedten
Kleinasiens.
-DER ATTISCHE SEEBUND VON DELOS: Nach
dem Abzug der Spartiaten, wurde 478 v.Ch. offiziell der Attische Seebund
geschlossen, unter der Fuehrung Athens, das von den Griechen, aufgrund seiner
Schluesselrolle waehrend der Kaempfe gegen die Perser, besonderns geschaetzt
wurde. Dies schien den Athener jedoch nicht ausreichend fuer eine langfristige
Fuehrerrolle zu sein. Um diese staerker zu festigen, setzten sie sich gemaess
alter und erfolgreicher peisistratischer Taktik ein, fuer eine staerkere
Verbindung zu den Griechen der kleinasiatischen Kueste und der aegaeischen
Inseln, vor allem die gemeinsame kulturelle Tradition betonend. Unter die
’Ionier der Aegaeis’ wurden, nach ionischen und attischen Funden zu urteilen,
auch Bewohner von Ikaria berufen. Man kann daher vermuten, dass der Athener
Versuch nationales und kulturelles Bewusstsein und entsprechenden Zusammenhalt
der Griechen zu erzeugen, auch in Ikaria auf positive Resonanz gestossen war,
dessen Bewohner die Fuehrungsrolle Athens gern akzeptierten.Durch die
Verbuendung scheinen ebenso die traditionellen Bindungen Ikarias und Militos’
eine Erneuerung erfahren zu haben.
-DIE BEWOHNERZAHL
IKARIAS WAEHREND DER BLUETEZEITEN:
Die Bewohnerzahl Ikarias waehrend
ihrer Bluetezeit im 5.Jh. v. Chr. wird auf etwa 13.000 Menschen geschaetzt und
kann verglichen werden, mit der ebenso bluetevollen Periode gegen Ende des
19.Jh..1892 zaehlte Ikaria nach gueltigen Registrierungen 12.800 Bewohner, einer
Zeit, in der die alten, zerstreuten Siedlungen sich zu oekonomisch starken
Doerfern und Staedten zusammenschlossen, wobei der Grossteil der Siedlungen sich
im Nordteil der Insel um Oinoi befanden. Verglichen mit anderen Gegenden
Griechenlands des 5. Jh., waren die Staedte Ikarias relativ dicht besiedelt, mit
einer deutlichen Kummulation um die Stadt Oinoi, wo der Grossteil der
Bevoelkerung ansaessig war. Etwas weniger als die Haelfte der
Gesamtbevoelkerung, vor allem Bauern, war ueber die Insel verteilt, wo die
Ikarier mit einer Siedlungsdichte von drei bis vier Haeusern pro
Quadrat-kilometer lebten.
Diese Einschaetzungen basieren auf den
unterschiedlichen Funden von Huetten, Graebern des 5.Jh. v.Chr. in Arethousa,
Kleinkeramik von Akamatra, der Inschrift der Dafne, den Spuren der archaischen
Siedlung in Leukaromantra und den Ruinen von Kasteli, die eine Summe von Belegen
darstellen, bezueglich der grossflaechigen Verbreitung von Doerfern und
Siedlungen, verteilt ueber ganz Ikaria.